Pressemitteilung Schulreform

LSV Berlin weist die halbherzige Bildungsreform des Berliner Senates zurück

Berlin, 22.01.10
Am 14.Januar hat das Abgeordnetenhaus von Berlin die berlinweite Einführung der sogenannten Sekundarschule beschlossen. Die bisherigen Haupt,- Gesamt- und Realschulen werden ab dem kommenden Schuljahr unter dem neuen Namen geführt. Die LSV Berlin begrüßt zwar, dass endlich Forderungen der Schüler*innen, die sie in den letzten Jahre durch Streiks und vielfältige andere Aktionen in die Öffentlichkeit getragen haben, aufgegriffen werden, so sollen zum Beispiel die Klassen kleiner werden und die Ganztagsangebote ausgeweitet werden, aber eine der Hauptforderungen bleibt unerfüllt: Eine Schule für alle!

Durch die Einführung der Sekundarschule wird eine Verschärfung der Konkurrenzsituation der Schüler*innen bewirkt und durch die Weiterführung des Gymnasiums die weitere Elitenbildung gefördert. „Dies hat nichts mit einem Miteinander Aller beim Lernen zu tun“, so Jerome Lombard von der LSV Berlin, selbst Schüler auf einem Gymnasium. Er bedauert, dass es bereits frühzeitig eine Auslese nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern gibt. „Wenn Akademiker*innenkinder fünfmal bessere Chancen haben das Gymnasium zu absolvieren, als Kinder, deren Eltern als Arbeiter*innen gelten, ist doch klar, wer auf welcher Schule anzutreffen sein wird!“ beschreibt Micha Schmidt, ebenfalls von der LSV Berlin, die Situation. Sönke Goldsweer von der LSV und Vorsitzender des BSA Neukölln weist daraufhin, dass durch die bloße Zusammenführung der Schulen noch lange nicht die Qualität des Unterrichtes verbessert wird. „Solange es um bloßes Auswendiglernen bis zur nächsten Klausur oder Klappehalten im Unterricht geht, bleibt das Ganze ein Etikettenschwindel!“ so Sönke Goldsweer.

Die Proteste der Schüler*innen haben die regierenden Parteien dazu gebracht, Veränderungen anzupacken. Das erkennt die LSV durchaus an. Aber noch immer gibt es das Turbo-Abi und Auslese nach ökonomischen Interessen. Selbst Hamburgs CDU-Bürgermeister Ole von Beust hat ein mehrgliedriges Schulsystem als ständisch gebrandmarkt. Viele Lehrmaterialien sind hoffnungslos veraltet und viele Lehrer*innen unterrichten nach pädagogischen Konzepten aus längst vergangenen Tagen. So ließe sich die Problemliste immer mehr erweitern. Auch hinkt die Idee, dass die Sekundarschulen als Ganztagschulen Angebote bis 16:00 liefern sollen, hinter der Realität her: Viele Schüler*innen sind jetzt bereits bis nach 16:00 Uhr in den Schulen – aber im Unterricht! Da bleibt kaum Zeit für selbstbestimmte Arbeitsgemeinschaften oder auch jugendgemäße Freizeitgestaltung mit Freunden.

Mit viel Getöse wurde eine Reform beschlossen, die nach Meinung der LSV Berlin den Namen nicht wert ist. Anstatt den großen Wurf zu machen und mit den vielen Millionen, die nun in die Hand genommen werden müssen (woher die bei der hohen Verschuldung des Landes kommen sollen ist ja auch noch nicht gänzlich geklärt; aus den Konjunkturpaketen der Bundesregierung wird sich nicht alles bezahlen lassen) die Schule zu einem wirklichen Lebensraum für Lernende zu machen, wird ein zaghafter Schritt versucht, der nicht viel mit den Anforderungen der kommenden Jahre zu tun hat.

Die LSV Berlin fordert eine Schule für alle und selbstbestimmtes Lernen!

Kontakt
briefkasten at lsv-berlin.de
Tel. 030 / 49 85 32 52

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